Nachhaltig bauen – 5 Tipps für Bauweisen und Material

Man möchte es kaum glauben, aber das Thema Nachhaltigkeit war früher fast schon normaler, als es heute ist. Oder sagen wir mal so, man hat es aus ganz anderen Beweggründen getan. Nachhaltiges Bauen war früher schon allein wegen der verfügbaren Baustoffe selbstverständlich.

Dann kamen neue Materialien und Verfahren, die zunehmend als belastend für Mensch und Umwelt wahrgenommen wurden. Das Ideal, (wieder) ökologisch nachhaltig zu bauen, kam in den 1970er Jahren auf. Treiber waren hier nicht nur der idealistisch neu auftretende Gedanke des Naturschutzes in subkulturellen Kreisen, sondern der Schock der Ölkrise ließ die Menschen aufhorchen. Neue Methoden einer alternativen Energieerzeugung stand von nun an an der Tagesordnung.

Nachhaltiges Bauen mag früher wohl eher aus pragmatischen Gründen entstanden sein, wird es doch heute zunehmen zu einem gesellschaftlichen Anspruch. Denn ein Handeln gemäß den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) erhöht für die heutigen Generationen die Lebensqualität und nimmt im Bereich Nachhaltigen Wohnen einen hohen Stellenwert ein.

Was bedeutet nachhaltig Bauen überhaupt?

Nachhaltig ist heute ja gefühlt so ziemlich alles. Doch wie kann man sich Nachhaltiges Bauen überhaupt vorstellen?

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zu nachhaltig Bauen:
„Die nachhaltige Entwicklung besitzt weltweit als Leitbild für die Zukunft eine herausragende Bedeutung. Das Bauwesen nimmt dabei eine besondere Stellung ein, weil es wesentliche Bedürfnisse des Menschen wie Wohnen und infrastrukturelle Bedürfnisse befriedigt und zugleich große wirtschaftliche und für die Umwelt relevante Aufwendungen damit verbunden sind.“

Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) meint:
Das Nachhaltigkeitskonzept der DGNB geht jedoch noch einen Schritt weiter und setzt auf insgesamt sechs Themenfelder. So spielen zusätzlich zur Ökologie, Ökonomie und den soziokulturellen und funktionalen Aspekten auch die Technik, der Prozess und der Standort bei der Planung und dem Bau von Gebäuden eine Rolle.

Die 5 wichtigsten Faktoren für nachhaltiges Bauen

Nachhaltig Bauen mag ja erstmal schön und gut klingen, aber was konkret bedeutet das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Baubranche überhaupt? Die folgenden 5 Faktoren für nachhaltiges Bauen sind für Sie bei der Planung sowie Umsetzung unverzichtbar.

1. Die Sonne liefert ökologisch nachhaltige Energie

Nachhaltigkeit fing quasi mit der Sonne, unserem Superkraftwerk an. Diese kostenlos zu uns geschickte Energie wird in Form von Solarzellen genutzt, um umweltfreundlichen Strom zu gewinnen.Deutlich gesunkene Produktionskosten und Subventionen haben diesen Trend sehr begünstigt. 
Parallel dazu wächst das Bewusstsein hinsichtlich des nachhaltigen Bauens. Designer und Bauträger nutzen beispielsweise verstärkt Recycling, wählen länger haltbare und regenerative Materialien, setzen auf effizientere Isolierung und reduzieren die Umwelteinflüsse an Baustellen.

2. Nachhaltige Gebäude werden Energie Selbstversorger

Nachhaltige Gebäude, die nicht nur Energie hinzugewinnen, sondern vielmehr Energie-autark sind. Das ist das nächste Level und gleichzeit der Goldstandard des Nachhaltigen Bauens. In diesem Fall kann in einem vollkommen klimafreundlichen Gebäude aufgrund nachhaltiger Architektur gesprochen werden.
Das gelingt Ihnen beispielsweise am besten mit Photovoltaik-Zellen, die in eine Fassade eingefasst sind oder als transparente Module für Fenster sowie Oberlichter verwendet werden. Ein anderes Beispiel sind Windkraftwerke auf Wolkenkratzern, die den dort vorherrschenden beinahe konstanten Luftstrom nutzen.

3. Das nachhaltige Kooperationstrio: Industrie – Immobilienentwickler – Forschungseinrichtung

Doch wie kommen diese durchaus kostspieligen und zukunftsträchtigen Bauwerke zustande? Es ist vor allem die Kooperation zwischen Industrie, Immobilienentwicklern und öffentlichen Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik, die solche Vorhaben zulassen.
Auf dieser Basis konzipierte nachhaltige Gebäude übertreffen oftmals alle drei Grenzwerte für den LEED Platin-Status. Unter anderem durch die Integration erneuerbarer Energiequellen in die Gebäudestruktur, intelligente und sehr energieeffiziente Verteilungssysteme für Beheizung und Abkühlung sowie Vorrichtungen für natürliche Luftströme im Gebäude statt Klimaanlage.

4. Nachhaltiges Bauen fordert nachhaltige Baustoffe

Es ist gerade das Thema Nachhaltigkeit, dass die Industrien zu High-Tech-Innovatoren transoformiert. So auch in der Bauindustrie. Relevant für die Entscheider bleibt jedoch stets der Kostenfaktor, vor allem bei kommerziell genutzten Gebäuden.
Doch wer glaubt grüne Bauunternehmen sind nicht wettbewerbsfähig, der irrt. Denn es sind gerade die spannenden Innovationen wie zum Beispiel Phasenwechselmaterialien für die Isolierung, die nachhaltige Unternehmen so zukunftsorientiert machen. Im Gegensatz zu herkömmlich dafür verwendeten Materialien, die den Strom von Wärme durch Lufttaschen und Fasermaterialien aufhält, absorbieren Phasenwechselmaterialien Wärme und geben sie wieder ab, indem sie zwischen flüssigem und festem Zustand alternieren.
Eine weitere interessante Entwicklung sind biologisch abbaubare Materialien. Zwar sind recycelte Produkte ein guter Anfang, wahrhaft umweltfreundliche Materialien müssen jedoch aufgrund ihres natürlichen Ursprungs rückstandslos und schadstofffrei abbaubar sein. Erfahren Sie im späteren Abschnitt noch mehr zu nachhaltigen Baustoffen.

5. Nachhaltiges Bauen und die Zukunft

Nachhaltiges Bauen unterscheidet sich im Gegensatz zu konventionellem Bauen durch eine hohe ökologische Qualität durch angemessene Bauweisen. Hohe Energie- und Stoffströme sind dem nachhaltigen Bauen fremd und der Schutz des Ökosystems nimmt einen hohen Stellenwert ein.
Das hohe Innovations-Potenzial aller beteiligten Industrien begünstigt die positiven Effekte. Die Prinzipien des nachhaltigen Bauens sollten jedoch nicht nur bei Neubauten umgesetzt werden, sondern auch bei der Modernisierung im Bestand.
Technologien für die saubere Energiegewinnung, leistungsfähige und abbaubare Materialien sowie High-Tech für die intelligente Gebäudesteuerung schützen nicht nur unseren Planeten, sondern – mit Weitsicht betrachtet – auch das Budget. Immer mehr Projektentwickler erkennen und schätzen beispielsweise die geringeren Lebenszykluskosten der nachhaltigen Gebäude.

Die drei wichtigsten nachhaltigen Bauweisen im Vergleich

Das Thema Nachhaltigkeit ist heute omnipräsent und rückt auch beim Hausbau zunehmend in den Fokus. Das Ziel vieler Eigenheim-Errichter: Möglichst bewusst mit wertvollen Ressourcen umzugehen. Sie haben erkannt, dass sie weder auf Komfort verzichten noch enorme Mehrkosten in Kauf nehmen müssen, um „grünen Wohnraum“ zu schaffen.

Dabei gibt es in punkto richtig nachhaltig Bauen einige Dinge, auf die man achten sollte. Die Sonnennutzung, die Wahl der Bauweise sowie die Energieeffizienz der verwendeten Baustoffe entscheiden darüber, wie die Ökobilanz Ihres Eigenheims ausfallen wird. Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Bauweisen vor, die ihrem ökologischen Fußabdruck entgegenkommen.

Die Massivbauweise

Wer träumt nicht von einem Eigenheim, dass über Generationen erhalten bleibt und relativ niedrige Instandhaltungs- und Wartungskosten vorzuweisen hat.

Häuser in der Massivbauweise haben den Vorteil, dass sie größtenteils aus mineralischen Materialien bestehen, die in der Natur zu genüge vorhanden sind. Die sog. Hochlochziegel haben eine hohe Druckfestigkeit und eine gute Fähigkeit zur Wärmespeicherung sowie zur Schalldämmung.

Jedoch muss bei der Herstellung von Ziegeln. viel Energie aufgewendet werden. Von der Tonmischung bis zum finalen Trocknungsprozess, bei dem Temperaturen bis zu 970°C erreicht werden können, ist der Rückgriff auf fossile Brennstoffe unverzichtbar.

Sie sehen die nachhaltige Massivbauweise

Wer möglichst nachhaltig bauen möchte, der muss auch an die späteren Energiekosten denken. Ziegel sind beim Massivhaus zwar ein guter Wärmespeicher, doch sie brauchen eine Dämmung und die wiederrum kostet gerade im Massivbau verhätensmäßig viel Energie.

Die TU München hat berechnet, dass eine Ziegelwand im Vergleich zu einer Holzriegelwand eine Dämmung beansprucht, die 8 mal so viel Energie bei der Herstellung benötigt.

Die Holzmassivbauweise (Massiver Trockenbau)

Das Bauen mit Holz ist einfacher sowie vielfältiger geworden und die konstruktiven Möglichkeiten haben sich immens erweitert. In Abgrenzung zum Holz-Skelettbau kommen hier vollflächige und tragende Wand-, Dach- oder Deckenelemente aus massiven Holzbauteilen zum Einsatz.

Aus ökologischer Sicht kann diese Bauweise in einigen Bereichen punkten. Im Vergleich zu Ziegelbauten beispielsweise benötigt die Herstellung und Bearbeitung von Massivholzbauteilen sehr wenig Energie. Außerdem ist Holz ein nachwachsender CO2-neutraler Rohstoff und die Herstellung und Bearbeitung von Massivbauholzteilen braucht sehr wenig Energie. Unbehandelte Massivholzwände können am Ende ihrer Lebenszeit bedenkenlos entsorgt und wiederverwendet werden.

Sie sehen die nachhaltige Holzmassivbauweise

Allerdings sollte man wie beim Ziegelhaus auf eine ökologisch vertretbare Außenwanddämmung achten. Denn bei der Holzmassivbauweise ist immer auch ein Witterungs- und Wärmeschutz zu empfehlen, weil Holz allein „nur“ eine mittlere wärmedämmende Wirkung erzielt. Zum Einsatz kommen beispielsweise Holzweichfaserplatten, vorgehängte Wärmedämmelemente oder Wärmedämmverbundsysteme (WDVS). Das bedeutet, dass bei dieser Art der Massivbauweise die Dämmebene klar von der Tragstruktur getrennt ist.

Doch es gibt aus nachhaltiger Sicht auch einige Nachteile von Holzbauten zu beachten. Im Gegensatz zur Leichtbauweise werden bei massiven Holzhäusern großformatige, flächenhafte Elemente eingesetzt, die den Holzverbrauch erheblich in die Höhe treiben. Für 10 m² Außenwand braucht man 1 m³ Holz, also die 5fache Menge einer Holzriegelwand – bei gleicher Funktion.

Die Holzbauweise

Sogennante Holzriegel-Konstruktionen gelten im Vergleich zu anderen Bauweisen als besonders ressourcenschonend. Doch das ist noch nicht alles. Neben dem oben schon erwähnten geringeren Holzverbrauch, kann die Dämmschicht aus natürlichen Materialien platzsparend im Inneren des Wandaufbaus angebracht werden. Dadurch werden nicht nur eine gleich gute Wärmedämmwerte mit geringeren Wandstärken erreicht, man bekommt zudem einen Zugewinn an Wohnfläche bis zu 10 Prozent.

Holzriegel-Konstruktionen gelten aber auch deshalb als besonders ressourcenschonend, weil hier ein maximaler Vorfertigungsgrad in kontrollierter Umgebung (Produktionshalle) möglich ist. Das sichert einerseits höchste Qualitätsstandards und reduziert andererseits Transportwege.

Sie sehen die nachthaltige Holzleichtbauweise

Wer allerdings auch hier konsequent nachhaltig bleiben möchte, sollte sich vor allem nach dem Wandaufbau seines künftigen Eigenheims erkundigen. Nachhaltige Firmen wie X verwenden beispielsweise heimisches Holz (kurze und umweltschonende Transportwege) oder aus Holz gewonnene Werkstoffe in ihren Wänden. Der natürliche Dämmstoff ist hier Zellulose. Da weder Folien noch Kunststoffe im Wandaufbau verarbeitet werden, sind die Wände voll recycelbar und baubiologisch unbedenklich.

Ohne diese Materialien kein nachhaltiges Bauen

Nachhaltig Bauen ist ein Unterfangen, bei dem viel Konequenz und Recherche dazugehört. Überall lauern kleine umweltschädliche Details, sei es in der Herstellung oder in der Logistik. Allerdings ist die Basis für nachhaltiges Bauen definitiv das Material selbst. Hier gibt es mittlerweile eine Vielzahl an unterschiedlichen Baustoffen, die der Umwelt schlichtweg gut tun.

Angefangen beim Holz, dem nachhaltigesten Vorreiter unter den Materialien bis hin zu smarten Dämmstoffen. Die Möglichkeiten ein nachhaltiges Haus zu bauen sind mittlweile bei uns angekommen und es ist nicht so schwer wie vor ein paar Jahren.

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Nachhaltig Bauen mit Holz

Doch es müssen nicht immer neu entwickelte Materialien sein. So wie uns die Sonne ihr Licht liefert, gibt es in der Nähe fast jeder Baustelle Wälder. Holz als Baustoff liefert uns gleich mehrere Gründe für den Bau nachhaltiger Gebäude. Abgesehen davon, dass Holz sich positiv auf unsere Atemluft auswirkt, hat es im Bauwesen zahlreiche positive Effekte. Vorraussetzung dafür: Es sollte aus der einheimischen Waldwirtschaft stammen, denn dann sind die Transportwege kurz.

Ein klarer Vorteil von Holz ist der geringe Energieaufwand für Bereitstellung und Aufbereitung des Materials. Das Besondere an Holz: Wenn Holzprodukte am Ende ihrer Lebensdauer energetisch verwertet werden, können sie mehr klimaneutrale Energie liefern, als zur Herstellung verbraucht wurde.

Es hat bei niedrigem Eigengewicht eine hohe Zug- sowie Druckfestigkeit auf und erlaubt den Bau hoch wärmedämmender Gebäudehüllen mit geringen Wandstärken. Nachhaltig Bauen fußt auf ökologischen Materialien, Langlebigkeit sowie Regionalität der Baustoffe und führt konsequent zu mehr Wohngesundheit.

Doch neben Holz gibt es noch weitere interessante nachhaltige Baustoffe:

  • Holz
  • Kork
  • Lehm
  • Naturstein
  • Reet
  • Ton
  • Ziegel

Nachhaltige Dämmstoffe 

Ob man es glaubt oder nicht, aber vor allem wenn man mit Holz arbeitet, ist der passende nachhaltige Dämmstoff von besonderer Bedeutung. Grund dafür ist die nicht perfekte Wärmespeicherfähigkeit von Holz, welches ein effizientes Dämmaterial erfordert. Der deutsche Baustoffmarkt wird aktuell von synthetischen Dämmstoffen auf Erdölbasis und mineralischen Dämmmaterialien dominiert. Diese Rohstoffe sind schnell verfügbar und günstig – nachhaltig sind sie allerdings nicht.

Wer ökologisch bauen und nachhaltig wohnen möchte, muss für Wärmedämmung und Hitzeschutz auf alternative Dämmstoffe setzen. Ob beim Neubau oder der ökologische Sanierung, natürliche Dämmstoffe wirken sich nicht nur positiv auf die Ökobilanz aus, sondern unterstützen ein gesundes Raumklima und somit die Wohngesundheit.

Und haben Sie gewusst, dass Lehm nicht nur nachhaltige ist sondern auch einer der besten wäremespeichernden Alternativen ist? Nein?! Dann wird Sie dieses Video überraschen.

Die Auswahl der nachhaltigen Dämmstoffe ist groß und man kann je nach individuellen Bedürfnissen seinen ganz persönlichen Favoriten für sich entdecken. Wichtig ist die Wärmespeicherfähigkeit und ob sie es an der Außenfassade anbringen oder wie beim Holzleichtbauweise an der Innenseite des Wandaufbaus.

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Für eine ökologische Dämmung kommen beispielsweise folgende Materialien in Frage:

  • Lehm
  • Hanf
  • Holzfaser
  • Holzwolle
  • Jute
  • Kies
  • Kokosfaser
  • Kork
  • Schafwolle
  • Schilf oder Napiergras
  • Stroh
  • Wiesengras
  • Zellulose

Und was ist am nachhaltigen Bauen jetzt nachhaltig?

Ja wir wissen es, das waren jetzt wirklich viele Informationen auf einmal, damit Sie auch begnügt in den weitere Tag starten können, fassen wir nochmal in aller Genauigkeit die wichtigsten Aspekte des nachhaltigen Bauens für Sie zusammen:

Was macht nachhaltig Bauen nachhaltig?

  • Das Bewusstsein sowohl von Mensch als auch Baubranche eine nachhaltige Trendwende herbeizuführen steht auf der Agenda vieler wichtiger öffentlicher und privater Träger.
  • Verschiedene Bauweisen, die sich konsequent am Thema Nachaltigkeit orientieren. Sei es das Baumaterial oder die Dämmung.
  • Die Regionalität speziell beim Holz zielt nicht nur auf nachwachsende Rohstoffe, sondern auch auf kurze Transportwege.
  • Die Offenheit für neue alternative Materialien wie Lehm, Hanf oder Zellulose machen den Weg frei für mehr Nachhaltigkeit.